Vergiss das „Nachher“ und geniesse das „Jetzt“


Success Story, Transformation, Weightloss-Journey. Begriffe, die in den sozialen Medien heute mehr denn je kursieren. Auch ich bin auf einer "Transformation-Journey". Für mich gibt es aber kein "Nachher", sondern nur ein "Jetzt".

Lass uns mal 20 Jahre zurückspulen. Schon als Kind hatte ich immer zu viel auf den Rippen. Meine Tanten kniffen mir liebevoll in den (nicht so kleinen) Ranzen, meine Eltern versuchten die Schokolade vor mir zu verstecken und der Kinderarzt sagte meiner Mutter bei jedem Besuch, dass ich Übergewicht habe. Mit 12 dann die erste Crash-Diät: Kohlsuppendiät, der Hit der 90er. Die Suppe schmeckte scheusslich, aber der Erfolg liess sich sehen: 5 Kilo weniger in zwei Wochen. 4 Wochen später hatte ich 7 Kilo wieder drauf. Meine Teenagerjahre waren geprägt von diesen Aufs und Abs. Das Wort "Sport" kam in meinem Vokabular schon gar nicht erst vor. Im Sportunterricht hatte ich meistens "meine Tage" – eine Ausrede die immer ging. ;)

Bis hier und nicht weiter
10 Jahre später und mit mittlerweile 92kg auf der Waage (bei 1,66m) wurde mir endlich klar: Du musst etwas ändern. Und obwohl ich diesen Gedanken schon oft hatte, war diesmal irgendwas anders. Ich wusste, wenn ich es nicht jetzt mache, dann schaffe ich den Absprung gar nicht mehr. Nach 1,5 Jahren harter Arbeit war ich schliesslich 25kg leichter. Ein neues Lebensgefühl. Ich hatte meine Ernährung komplett umgestellt und Sport in meinen Alltag integriert. Einen Jojo-Effekt hatte ich diesmal nicht. Aber mit dem abgeschlossenen Studium und dem darauffolgenden Arbeitsalltag änderten sich die Dinge wieder ein wenig. Die Ernährung blieb zwar gesund, der Sport kam aber zu kurz – um nicht zu sagen, er war nicht mehr vorhanden. Obwohl ich innerhalb von einem Jahr "nur" 5 Kilo zugelegt hatte, fühlte ich mich extrem chubby. Ich wusste: Es muss wieder Sport her. Einige Tage später absolvierte ich mein erstes WOD bei ZNC.

RIP Couch-Potato
Dass CrossFit mein Sport ist, wusste ich sofort. Hätte mir vor 10 Jahren jemand gesagt, dass ich mal sportlich werden würde – ich hätte die Person lauthals ausgelacht. Von anfänglich 2 Mal wöchentlich steigerte ich mich auf 3 und schliesslich auf 4-5 Trainings pro Woche. Aber irgendwie blieb die grosse Transformation trotzdem aus. Ich war ratlos. Ich ernähre mich gesund, mache viel Sport, trotzdem tut sich nichts. Was mache ich falsch?

Probieren geht über Studieren
Im Januar dieses Jahres habe ich mich dann an ein kleines "Experiment" gewagt. Eine Freundin erzählte mir vom Freeletics Food-Guide. Man kann dort sein Ziel festlegen und bekommt einen entsprechenden Ernährungsplan vorgeschrieben. Ich wollte es mal ausprobieren, ausser ein paar überschüssigen Kilos hatte ich schliesslich nichts zu verlieren.

2011 (mit 92kg) vs. heute

2015 (als ich mit CrossFit angefangen habe) vs. heute

Obwohl ich eigentlich gar nicht der Typ für Ernährungspläne bin, hat mir der Food-Guide dabei geholfen, „on track“ zu kommen – und nicht nur das: Durch den Plan wurde mir erst bewusst, wo bei mir der Knackpunkt in der Ernährung lag und wie ich mein Essverhalten optimieren konnte. Und es hat funktioniert: 3 Monate später wiege ich 7kg weniger und fühle mich so fit wie schon lange nicht mehr.

Neue Ziele, neues Glück
Es gibt da eine Sache, die mich noch mehr freut und stolz macht, als meine Gewichtsabnahme: nämlich, dass ich die Leidenschaft zum Sport gefunden habe. Hätte ich damals nur gewusst, wie gut es sich anfühlt, an seine Grenzen zu gehen und seinen Körper beim Sport richtig zu spüren – ich wäre dem Gefühl schon viel früher verfallen. Anfangs war der Sport für mich nur ein Mittel zum Zweck: Er sollte meine Abnahme beschleunigen, mir dabei helfen, meinen Körper zu formen. Heute haben sich meine Ziele und der Grund, warum ich Sport mache verändert: Es geht mir nicht mehr ums Abnehmen oder darum, meinen Körper zu verschönern. Ich trainiere, weil ich fit und immer besser werden will. Mein Erfolg definiert sich nicht mehr durch eine bestimmte Zahl auf der Waage. Vielmehr messe ich meine Erfolge daran, was ich in der Box erreiche. Mein erster Pull-Up, mein erster Pistol-Squat, der erste Rope-Climb: all das sind Erfolgserlebnisse, die sich für mich mittlerweile viel besser anfühlen als ein oder zwei Kilo weniger Körpergewicht.

Warum es für mich kein "Nachher" gibt
In der Box werde ich häufig auf meine "Transformation" angesprochen. Leute fragen mich, was mein Wunschgewicht ist, bis wohin ich noch möchte. Ich überlege kurz und komme zu dem Schluss, dass es für mich kein Wunschgewicht, kein bestimmtes Abnehm-Ziel mehr gibt. So wie es jetzt ist, bin ich extrem happy. Aber trotzdem möchte ich mich weiterentwickeln und mit jedem Training besser werden. Die Zeiten, in denen ich mich und mein Selbstbewusstsein über die Zahl auf der Waage definiert habe, sind vorbei. Es geht mir nicht mehr darum, an einen Punkt zu kommen und meine "Journey" dann zu beenden. Meine „Journey“ hat kein Ende für mich. Warum? Weil ich mein Leben und meine Ernährung langfristig umgestellt habe. Short-fixes habe ich ausprobiert und eines ist sicher: ich bin kläglich gescheitert. So sehr ich das Abenteuer liebe – was das Abnehmen betrifft, setze ich eher auf die ganz klassische, langfristige Methode. Dann braucht man auch kein Ende mehr, denn was dann zählt ist das "Jetzt". Und mein "Jetzt" fühlt sich verdammt gut an.

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